{"id":614,"date":"2013-11-03T19:18:53","date_gmt":"2013-11-03T17:18:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?page_id=614"},"modified":"2015-06-23T06:30:08","modified_gmt":"2015-06-23T05:30:08","slug":"gross-hamburg-gesetz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?page_id=614","title":{"rendered":"Gro\u00df-Hamburg-Gesetz"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_6740\" aria-describedby=\"caption-attachment-6740\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Wilhelmshaven-Kaisersaal.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6740\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Wilhelmshaven-Kaisersaal-300x242.jpg\" alt=\"Wilhelmshaven Kaisersaal\" width=\"275\" height=\"222\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6740\" class=\"wp-caption-text\">Wilhelmshaven im Kaisersaal des Hamburger Rathauses<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangte der Ausbau des Hamburger Hafens schnell an geographische Grenzen. Das Territorium der Stadt Hamburg war zu klein und beschr\u00e4nkte sich im Wesentlichen auf Fl\u00e4chen n\u00f6rdlich und s\u00fcd\u00f6stlich der Innenstadt. Alle hamburgischen Fl\u00e4chen s\u00fcdlich der Norderelbe waren bereits vollst\u00e4ndig f\u00fcr die Hafennutzung ausgesch\u00f6pft.<\/p>\n<p>Trotz der Umschlagsstagnation im Ersten Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise versuchte der Hamburger Senat Mittel und Wege zu finden, das Stadtgebiet von Hamburg zu vergr\u00f6\u00dfern. Hafenerweiterungen auf nicht-hamburgischen Staatsgebiet, also dem preu\u00dfischen Gebieten in Harburg, Altenwerder, Wilhelmsburg, Hohe Schaar und Preu\u00dfisch-Finkenwerder waren dabei aus Hamburger Sicht unvorstellbar. Das Hafengebiet musste Hamburgisches Staatsgebiet sein. Ein Blick auf eine Karte \u201e<a href=\"http:\/\/www.christian-terstegge.de\/hamburg\/karten_umgebung\/files\/1905_meyers_300dpi.jpeg\" target=\"_blank\">Umgebung von Hamburg 1905<\/a>\u201c zeigt die Situation. <a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Ver\u00adhandlungen zwischen Hamburg und Preu\u00dfen \u00fcber gemeinschaftlich betriebene Hafenanlagen auf preu\u00dfischem Gel\u00e4nde f\u00fchrten somit zu keinem Erfolg. Die Argumentation einer nationalen Bedeutung des Hafens, die ja beim Wasserstra\u00dfenvertrag erfolgreich gewesen war, fand auf Reichsebene im Rahmen der zahlreichen Gro\u00df-Hamburg-Diskussionen keinerlei Geh\u00f6r.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Viele Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Erweiterung des Hamburger Staatsgebietes wurden formuliert. Stellvertretend sei einer ausf\u00fchrlicher angef\u00fchrt<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a>: am 20.12.1918, unmittelbar nach dem Ende des ersten Weltkrieges, referieren die Baudirektoren Bubendey, Schumacher und Sperber vor dem Arbeiter und Soldaten-Rat und dem Hamburger Senat \u00fcber die M\u00f6glichkeiten eines Gro\u00df-Hamburgischen Wirtschaftsgebietes. &#8220;In den Vordergrund wurde von den Fachleuten der Gedanke gestellt, da\u00df die Zusammenfassung des zwischen Hamburg und Harburg, der Norder- und der S\u00fcderelbe gelegenen Gebietes unter eine einheitliche Verwaltung eine unabweisbare Forderung einer rationellen wirtschaftlichen Entwicklung ist.&#8221; Des Weiteren wurde er\u00f6rtert, dass \u00fcber dieses Gebiet hinaus elbabw\u00e4rts eine Gebietserweiterung erforderlich ist: &#8220;Es ist die Tiefhaltung des Elbstromes, die eine solche Ausdehnung erheischt. Die Hohheit lediglich \u00fcber den Strom oder einen schmalen Uferstreifen w\u00fcrd den technischen und wirtschaftlichen Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgen. Denn bei jeder Korrektur der Fahrrinne, bei jeder \u00c4nderung ihrer Tiefe tritt eine weit ins marschige, eingedeichte Hinterland reichende Einwirkung auf.&#8221; Und es w\u00e4re f\u00fcr Hamburg immer schwer, Preu\u00dfen f\u00fcr solchen Ma\u00dfnahmen zu gewinnen. &#8220;Im Reich ist viel zu wenig bekannt, unter welchem Aufwand von M\u00fche und finanziellen Opfern Hamburg die Tiefhaltung der Niederelbe im Interesse des Wirtschaftlebens des gesamten Reiches durchgesetzt hat.&#8221; Gro\u00df-Hamburg sollte also von Geesthacht zur Elbm\u00fcndung reichen und h\u00e4tte so ausgesehen:<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_646\" aria-describedby=\"caption-attachment-646\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Hamburg1919gro\u00df.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"   wp-image-646\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Hamburg1919gro\u00df.jpg\" alt=\"Vorschlag von Fred Baumann - ein Vorl\u00e4ufer der Metropolregion Hamburg?\" width=\"500\" height=\"500\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-646\" class=\"wp-caption-text\">Vorschlag von Fred. S. Baumann <a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/figcaption><\/figure>Auch wenn im Jahre 1927 Bewegung in der Neugliederung der preu\u00dfischen St\u00e4dte um Hamburg durch z.B. das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unterelbegesetz\" target=\"_blank\">Gro\u00df-Altona-Gesetz<\/a> entstand, \u00e4nderte sich f\u00fcr Hamburg nichts.<\/p>\n<p>Erst mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam \u00fcber deren Zentralisierungspolitik, die die Gleichschaltung der L\u00e4nder des Deutschen Reiches \u00fcber die Einrichtung von Gauen und Reichsstatthaltern erm\u00f6glichte, Bewegung in die Gro\u00df-Hamburg-Frage. Die national\u00adsozialistischen Interessen waren anders gelagert als die der bisherigen Hamburger Senate. Es ist zu erahnen, dass Kriegsvorbereitungen im Vordergrund standen.<\/p>\n<p>Unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung von Hermann G\u00f6ring\u00a0<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> wurde binnen weniger Wochen das\u00a0 Gro\u00df-Hamburg-Gesetz zum 26.01.1937\u00a0<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> verabschiedet, das zum 01.04.1937 in Kraft trat: Hamburg erhielt die f\u00fcr die s\u00fcdliche Ausweitung des Hamburger Hafens ben\u00f6tigten Fl\u00e4chen und damit sein heutiges Staatsgebiet. Mit dem Gro\u00df-Hamburg-Gesetz wurde Hamburg zu <strong>dem<\/strong> deutschen Handelshafen und \u00fcber Gebiets\u00e4nderungen im Oldenburgischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9F-Hamburg-Gesetz\" target=\"_blank\">Wilhelmshaven<\/a> zu <strong>dem<\/strong> deutschen Kriegshafen f\u00fcr die Reichsmarine ernannt.<\/p>\n<p>\u00dcber die \u00dcberf\u00fchrung des ehemaligen harburgischen Grundeigentums in Hamburger Staatsbesitz und den Umgang mit der dort lebenden Bev\u00f6lkerung ist \u2013 mit Ausnahme von Altenwerder \u2013 nichts weiter bekannt.<\/p>\n<p>Das Gro\u00df-Hamburg-Gesetz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht und hat bis heute G\u00fcltigkeit. Am 1.4.2012 j\u00e4hrte sich das Datum des Gro\u00df-Hamburg-Gesetzes zum 75. Male. In Hamburg war dieses Jubil\u00e4umsdatum nicht \u00f6ffentlich wahrnehmbar.<\/p>\n<p>Hamburg ist seit dem Gro\u00df-Hamburg-Gesetz eine Einheitsgemeinde geworden, d.h. in Hamburg gibt es seit 1937 nur noch eine sehr eingeschr\u00e4nkte demokratische kommunale Selbstverwaltung: die Bezirksversammlungen haben kein Haushaltsrecht und verf\u00fcgen \u00fcber nur sehr geringe Entscheidungskompetenzen. Im Rahmen dieser Kompetenzen getroffene Entscheidungen\u00a0 k\u00f6nnen vom Senat zudem mit einfachem Beschluss evoziert, d.h. zur\u00fcckgenommen werden. Was das mit der Elbvertiefung zu tun hat?<\/p>\n<p>Hamburgs Hafenfl\u00e4chen sind \u00fcber die Bezirke Harburg, Mitte, Altona und auch Bergedorf verteilt. Stellen Sie sich vor, diese w\u00fcrden als Kommune bei der Hafengestaltung mitentscheiden d\u00fcrfen oder, wie z.B. einige nieders\u00e4chsische Kommunen, gegen die Elbvertiefung klagen&#8230; In Hamburg eben nicht denkbar.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0Karte \u201e<a href=\"http:\/\/www.christian-terstegge.de\/hamburg\/karten_umgebung\/files\/1905_meyers_300dpi.jpeg\" target=\"_blank\">Umgebung von Hamburg 1905<\/a>\u201c aus Meyers Konversations-Lexikon. Wir danken Christian Terstegge f\u00fcr den gro\u00dfen \u00f6ffentlichen Kartenfundus auf <a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">http:\/\/www.christian-terstegge.de<br \/>\n[2]<\/a>\u00a0 Werner Johe, &#8220;<a href=\"http:\/\/agora.sub.uni-hamburg.de\/subhh\/cntmng;jsessionid=29010B88B9AC4FC6B3221774C4363104.jvm1?type=pdf&amp;did=c1:13680\" target=\"_blank\">Territorialer Expansionsdrang oder wirtschaftliche Notwendigkeit? Die Gro\u00df-Hamburg-Frage<\/a>&#8221; in Zeitschrift des Vereins f\u00fcr Hamburgische Geschichte, 64. Jahrgang, Seite 149 \u2013 180, Hamburg 1978<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0 Fred S. Baumann, &#8220;Gro\u00df-Hamburg&#8221;, Seite 32, Anhang-Anlage 1, Hamburg 1919<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0 Fred S. Baumann, &#8220;Gro\u00df-Hamburg&#8221;, Seite 14, Hamburg 1919<br \/>\n<a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[5]\u00a0<\/a> Werner Johe, &#8220;<a href=\"http:\/\/agora.sub.uni-hamburg.de\/subhh\/cntmng;jsessionid=29010B88B9AC4FC6B3221774C4363104.jvm1?type=pdf&amp;did=c1:13680\" target=\"_blank\">Territorialer Expansionsdrang oder wirtschaftliche Notwendigkeit? Die Gro\u00df-Hamburg-Frage<\/a>&#8221; in Zeitschrift des Vereins f\u00fcr Hamburgische Geschichte, 64. Jahrgang, Seite 172 \u2013 174, Hamburg 1978<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\">[6]\u00a0 <\/a><a href=\"http:\/\/www.verfassungen.de\/de\/hh\/hamburg37.htm\" target=\"_blank\">Gesetz \u00fcber Gro\u00df-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen<\/a> (Gro\u00df-Hamburg-Gesetz) vom 26. Januar 1937<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangte der Ausbau des Hamburger Hafens schnell an geographische Grenzen. Das Territorium der Stadt Hamburg war zu klein und beschr\u00e4nkte sich im Wesentlichen auf Fl\u00e4chen n\u00f6rdlich und s\u00fcd\u00f6stlich der Innenstadt. Alle hamburgischen Fl\u00e4chen s\u00fcdlich der Norderelbe waren bereits vollst\u00e4ndig f\u00fcr die Hafennutzung ausgesch\u00f6pft. 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