{"id":10963,"date":"2016-12-10T14:41:28","date_gmt":"2016-12-10T12:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=10963"},"modified":"2016-12-10T17:43:39","modified_gmt":"2016-12-10T15:43:39","slug":"postfaktische-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=10963","title":{"rendered":"Postfaktische Politik"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/KeineElbvertiefung.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7551\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/KeineElbvertiefung.jpg\" width=\"300\" height=\"333\" \/><\/a>Das Wort &#8220;<a href=\"http:\/\/gfds.de\/wort-des-jahres-2016\/\" target=\"_blank\">postfaktisch<\/a>&#8221;\u00a0ist diese Woche von der Gesellschaft f\u00fcr deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gek\u00fcrt worden. In der Begr\u00fcndung der GfdS lesen wir die Erl\u00e4uterung: &#8220;<em><strong>Postfaktische Politik<\/strong> war beispielsweise der Wahlkampf gegen den Verbleib Gro\u00dfbritanniens in der EU. Mit zum Teil gezielten Fehlinformationen sch\u00fcrten die Bef\u00fcrworter des Austritts den Unmut in der Bev\u00f6lkerung, die tats\u00e4chlich am 23. Juni 2016 mehrheitlich f\u00fcr den Brexit stimmte. Ein Ergebnis <strong>postfaktischer Politik<\/strong> war auch der Triumph von Donald Trump, der mit Diskriminierungen und wahrheitswidrigen Behauptungen wie der Aussage, Barack Obama habe die Terrororganisation \u00bbIslamischer Staat\u00ab gegr\u00fcndet, in den USA zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde.<\/em>&#8221;<\/p>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postfaktische_Politik\" target=\"_blank\">weitere Erkl\u00e4rung ist in der Wikipedia<\/a> zu finden: &#8220;<em>In einem demokratischen <a title=\"Diskurs\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diskurs\" target=\"_blank\">Diskurs<\/a> wird \u2013 gem\u00e4\u00df dem Ideal der <a title=\"Aufkl\u00e4rung\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aufkl%C3%A4rung\" target=\"_blank\">Aufkl\u00e4rung<\/a> \u2013 \u00fcber die zu ziehenden Schlussfolgerungen aus belegbaren Fakten gestritten. In einem postfaktischen Diskurs wird hingegen gelogen, abgelenkt oder verw\u00e4ssert \u2013 ohne dass dies entscheidende Relevanz f\u00fcr das Zielpublikum h\u00e4tte.\u00a0Entscheidend f\u00fcr die von <strong>postfaktischer Politik<\/strong> angesprochenen W\u00e4hler ist, ob die angebotenen Erkl\u00e4rungsmodelle eine N\u00e4he zu deren Gef\u00fchlswelt haben.<\/em>&#8221;<\/p>\n<p>Auch in Sachen Elbvertiefung ist seit Beginn der Planungen zu beobachten, wie Hamburger Politiker jeglicher Couleur den von uns gepflegten demokratischen Diskurs verlassen haben und postfaktisch handeln:\u00a0Obwohl<\/p>\n<ul>\n<li>die dicksten P\u00f6tte den Hamburger Hafen anlaufen,<\/li>\n<li>viele\u00a0Arbeitspl\u00e4tze im Hafen durch Terminalautomatisierungen verschwinden,<\/li>\n<li>der Zenit im Containerisierungsgrad \u00fcberschritten ist\u00a0und in allen H\u00e4fen der Nordrange keine Umschlagszuw\u00e4chse zu verzeichnen sind,<\/li>\n<\/ul>\n<p>wird uns von den Politikern gebetsm\u00fchlenartig gepredigt, dass mit der Elbvertiefung alle Probleme erfolgreich verschwinden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch wenn\u00a0die HPA die immensen Baggermengen als Folge der vorhergehenden Vertiefung nicht mehr bew\u00e4ltigen kann, die Sauerstoffl\u00f6cher sich h\u00e4ufen, Fragen zur\u00a0Deichsicherheit, Beregnungswasserversalzung, Tourismus und Fischerei weiterhin offen im Raum stehen, die Pflanzen- und Tierwelt keinen Lebensraum mehr findet, vermitteln uns die Politiker, dass dieses alles f\u00fcr den o.a. Erfolg der Elbvertiefung unerheblich sei.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Norddeutsche-Verm\u00f6gen.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-10772\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Norddeutsche-Verm\u00f6gen.jpg\" width=\"250\" height=\"141\" srcset=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Norddeutsche-Verm\u00f6gen.jpg 1710w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Norddeutsche-Verm\u00f6gen-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Norddeutsche-Verm\u00f6gen-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Norddeutsche-Verm\u00f6gen-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Irrelevant sei auch, dass die maritime Wirtschaft schon lange kein Erfolgsmodell mehr ist. Dass viele Reedereien mit ihren Steuersparmodellen vor der Insolvenz stehen, nur noch eine verschwindend geringe Anzahl an Schiffen trotz h\u00f6chster Subventionen unter deutscher Flagge fahren, deutsche Seeleute dadurch keine Arbeit finden, mit der <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/wirtschaft\/article208939655\/HSH-wird-Laendergarantien-wohl-vollstaendig-aufbrauchen.html\" target=\"_blank\">HSH-Nordbank die gesamte Schiffsfinanzierung mit Steuermilliarden abgewickelt<\/a> wird, Hapag-Lloyd in weit absehbarer Zeit kein &#8220;Money back&#8221; f\u00fcr Hamburg geben wird, sind f\u00fcr die Regierenden alles keine Argumente, sich mit einer neuen Strategie rund um den Hafen zu besch\u00e4ftigen. Das einzige was ihnen einf\u00e4llt: die Elbvertiefung muss mit der Brechstange her.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend wird der Eindruck vermittelt, dass die erheblichen Verz\u00f6gerungen bei der\u00a0Elbvertiefung nur auf die klagenden Umweltverb\u00e4nde zur\u00fcckzuf\u00fchren seien. Verschwiegen wird dabei, dass es f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/fahrrinnenausbau.de\/dokumente\/planaenderung.php\" target=\"_blank\">Elbvertiefung<\/a>\u00a0von der\u00a0Planantragstellung im September 2006 bis zum Planfeststellungsbeschluss (PFB) im April 2012 drei Plan\u00e4nderungen gegeben hat. Seit dem PFB im Jahr 2012 erfolgten noch zwei weitere \u00f6ffentliche Planerg\u00e4nzungsbeschl\u00fcsse sowie im Gerichtsverfahren weitere \u00c4nderungen. Sieht so sorgf\u00e4ltige Arbeit aus?<\/p>\n<p>Bei dieser Planungshistorie \u00fcberrascht es dann auch nicht mehr, wenn der <a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20161208-Wirtschaftssenator-rechnet-mit-Elbvertiefung-NDR.pdf\" target=\"_blank\">Hamburger Wirtschaftssenator Herr Frank Horch im NDR<\/a>\u00a0feststellt:\u00a0&#8220;<em>Nach den intensiven Vorbereitungen, die wir seit Jahren durchgef\u00fchrt haben, gehe ich eigentlich davon aus, dass wir jetzt zu einer positiven Entscheidung kommen, vielleicht verbunden mit bestimmten Auflagen.<\/em>&#8221; In der <a href=\"http:\/\/www.mopo.de\/hamburg\/verhandlung-um-elbvertiefung-frank-horch---das-geht-nicht-in-die-hose--25245918\" target=\"_blank\">Morgenpost lesen wir erg\u00e4nzend<\/a>: &#8220;<em>Au\u00dferdem sehen die Planer von Stadt und Bund ein weiteres Hintert\u00fcrchen: Wenn das Gericht einzelne Beeintr\u00e4chtigungen von Flora, Fauna oder Wasserqualit\u00e4t moniert, k\u00f6nnten diese quasi in den Wind geschlagen werden. Und zwar mit Hilfe einer Ausnahme-Genehmigung. Die Planer k\u00f6nnten diese Beeintr\u00e4chtigungen (etwa einer Tierart oder Pflanze) mit dem gro\u00dfen volkswirtschaftlichen Interesse der Elbvertiefung f\u00fcr Deutschland und Hamburg ins Verh\u00e4ltnis setzen und als geringer bewerten.<\/em>&#8221;<\/p>\n<p>Das ist &#8220;postfaktische Politik&#8221; in Reinkultur. Und diese Politik wird noch unterst\u00fctzt durch einen\u00a0&#8220;postfaktischen Kommentar&#8221; im<a href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0ahUKEwjMnOavy-nQAhWHUBQKHf0bCZgQFggfMAE&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.abendblatt.de%2Fmeinung%2Farticle208927681%2FElbvertiefung-Hafen-oder-Umwelt.html&amp;usg=AFQjCNGIG5T4bIZIy86JKEUe013PRXNkow\" target=\"_blank\"> Hamburger Hafenblatt: &#8220;Elbvertiefung: Hafen oder Umwelt?&#8221;<\/a>. So etwas Verquastes haben wir selten lesen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wen es jetzt noch nicht schaudert, sollte sich den heutigen Artikel des gleichnamigen Kommentarschreibers im Hafenblatt g\u00f6nnen. Der lautet &#8220;<a href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0ahUKEwjUlayjyunQAhVGthQKHee9DpYQFgghMAE&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.abendblatt.de%2Fhamburg%2Farticle208941845%2FReeder-haben-sich-die-Taschen-vollgemacht.html&amp;usg=AFQjCNHqLKi1lNCeJedLC4O6QPB0I6tnTQ\" target=\"_blank\">Reeder haben sich die Taschen vollgemacht<\/a>&#8221; und berichtet vom diesj\u00e4hrigen &#8220;Festessen der deutschen Reeder&#8221;. \u00a0Und da sind wir wieder am Anfang des heutigen Beitrages: diese Wahrheiten will weder ein Politiker, Reeder, Hafenmanager oder der besagte Journalist des Hafenblattes zur Kenntnis nehmen. Das ist die Bedeutung von &#8220;postfaktisch&#8221;, dem Wort des Jahres 2016.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort &#8220;postfaktisch&#8221;\u00a0ist diese Woche von der Gesellschaft f\u00fcr deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gek\u00fcrt worden. In der Begr\u00fcndung der GfdS lesen wir die Erl\u00e4uterung: &#8220;Postfaktische Politik war beispielsweise der Wahlkampf gegen den Verbleib Gro\u00dfbritanniens in der EU. 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