{"id":5263,"date":"2015-02-24T00:02:14","date_gmt":"2015-02-23T23:02:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=5263"},"modified":"2016-09-16T08:00:45","modified_gmt":"2016-09-16T07:00:45","slug":"deutsche-nautiker-chancenlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=5263","title":{"rendered":"Deutsche Nautiker chancenlos?"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben Kontakt mit einer Familie, die sich den Lebensunterhalt durch die nautische T\u00e4tigkeit eines ihrer Mitglieder verdienen will. Dieses Familienmitglied sucht nun schon seit Monaten nach einem entsprechenden Arbeitsplatz auf einem Schiff. Arbeitspl\u00e4tze gibt es reichlich, auch auf Schiffen deutscher Reeder, die nicht unerhebliche Subventionen aus dem deutschen Steuers\u00e4ckel eingestrichen haben.<\/p>\n<p>Die Reedereien haben \u00fcberwiegend die Rekrutierung der Besatzungen ihrer Schiffe sogenannter \u201eCrewing Services\u201c \u00fcberlassen. Diese haben ihren Sitz \u00fcberwiegend im Ausland. Die pers\u00f6nlichen Erfahrungen des Nautikers stellen wir hier auszugsweise vor:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eWenn man sich als Deutscher auf Stellen bewirbt, bekommt man Antworten wie: &#8220;<em>wir nehmen keine Deutschen, nur Ukrainer, ja Bedarf ist da, aber so was fangen wir gar nicht erst an, Deutsche einzustellen, dass hatten wir noch nie.<\/em>&#8220;<\/li>\n<li>\u201eSeeleute z.B. aus der Ukraine prahlen teilweise an Bord damit, dass sie sich im Prinzip ihre Jobs aussuchen k\u00f6nnen, alle Bedingungen sind verhandelbar mit einer recht gro\u00dfen Spanne (bei deutschen Reedern). Davon tr\u00e4umt der deutsche Seemann schon lange.\u201c<\/li>\n<li>\u201eAn Bord selber ist man als Deutscher schon lange ein Exot und man wird auch an Bord wie auch an Land so behandelt. In den restlichen B\u00fcros in Hamburg sitzen oftmals ukrainische, rum\u00e4nische, russische e.t.c. Mitarbeiter, die \u00fcber die restlichen Deutschen bestimmen.\u201c<\/li>\n<li>\u201eEin &#8220;Landsmann&#8221; wird bevorzugt und bekommt eine freie Stelle zu besseren Bedingungen, als ein deutscher Bewerber sich anbot. Das ist schon seit Jahren so \u00fcblich und zur Gewohnheit geworden.\u201c<\/li>\n<li>\u201e&#8230; suchte dringend einen ersten Offizier. Nach dem \u00dcbersenden meiner Unterlagen und mehreren Gespr\u00e4chen (ich bot an, f\u00fcr viel weniger Lohn zu fahren), teilte man mir mit, dass man keine deutschen Seeleute einstellen (will).&#8221;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht absch\u00e4tzen, was jeweils konkret zu den einzelnen Absagen der vielen Bewerbungen gef\u00fchrt hat, aber die Informationen verdichten sich, dass es nicht nur die uns bekannte Familie getroffen hat. So hat <a href=\"http:\/\/www.mopo.de\/hamburg\/hier-spricht--der-kaept-n-schickt-die-reeder-zu-afrikas-piraten--1935970\" target=\"_blank\">J\u00fcrgen Schwandt das Thema in seiner Kolumne in der Hamburger Morgenpost<\/a> aufgegriffen: &#8220;<em>Ich bin ein alter Seemann, und das Meer l\u00e4sst mich nicht los. Alle zwei Jahre buche ich mir deshalb eine Kabine auf einem Frachter und fahre irgendwohin. Auf der Br\u00fccke treffe ich Offiziere und Kapit\u00e4ne aus vielen L\u00e4ndern: Polen, Russen, Letten, Inder oder Philippiner. Was nicht daran liegt, dass deutsche Reeder ihr Herz f\u00fcr \u201eMultikulti\u201c entdeckt haben: Sie m\u00fcssen weniger als die H\u00e4lfte der deutschen Tarifl\u00f6hne bezahlen. Wir sind auf \u201eMotorschiff Geiz\u201c unterwegs.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Den von Herrn Schwandt angef\u00fchrten anderen MOPO-Artikel mit der \u00dcberschrift: \u201eDeutsche Kapit\u00e4ne in Not\u201c samt seiner Aussage : &#8220;Von 83 jungen Kapit\u00e4nen, die 2014 an der Schule Elsfleth ihr Patent bekamen, fanden drei eine Anstellung&#8221;konnten wir nicht finden.\u00a0 In der Zeitung Welt dagegen werden wir mit \u00e4hlichen schlechten Zahlen f\u00fcndig: &#8220;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/wirtschaft\/article128406714\/Keine-deutschen-Kapitaene-in-Sicht.html\" target=\"_blank\">Keine deutschen Kapit\u00e4ne in Sicht<\/a>&#8221; oder &#8220;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article132986950\/Der-deutsche-Kapitaen-ist-vom-Aussterben-bedroht.html\" target=\"_blank\">Der deutsche Kapit\u00e4n ist vom Aussterben bedroht<\/a>&#8220;.\u00a0 Sie haben richtig gelesen: <strong>drei<\/strong>. Es hat mehr Aussicht auf Erfolg, als Deutscher Bofrost-Fahrer in Gr\u00f6nland zu werden, statt Kapit\u00e4n eines Schiffes.<\/p>\n<p>Falls Sie, liebe Leserschaft, pers\u00f6nlich auch von dieser Entwicklung betroffen sein sollten, schreiben Sie uns doch bitte. Wir finden es unertr\u00e4glich, dass Hamburg mit der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Anpassung seiner Hafenkapazit\u00e4ten und mit der Elbvertiefung diese derart agierenden deutschen aber auch internationalen Reedereien noch hofiert.<\/p>\n<p>Weiter mit Herrn Schwandt:<br \/>\n&#8220;<em>W\u00e4hrend ein Luftkapit\u00e4n streikt, weil er sich mit knapp zehntausend Euro Monatsgehalt schlecht bezahlt f\u00fchlt, verdient ein Kapit\u00e4n zur See die H\u00e4lfte. Obwohl er rund um die Uhr im Dienst ist, ist er damit immer noch zu teuer. &#8230; Wir haben als weiteres Beispiel von einer jungen Offizierin geh\u00f6rt, die ein Praktikum annahm, um die Fahrtzeit f\u00fcr ihr Patent nachweisen zu k\u00f6nnen. Sie f\u00e4hrt zwei Jahre und bekommt im Gegenzug kein Gehalt, keinen Cent, nur etwas zu essen. Wie gro\u00dfz\u00fcgig vom Reeder! Irgendwann m\u00fcssen die Praktikanten dann Stullen und ihr Klopapier selbst mit an Bord bringen. Was die Crew-Mitglieder betrifft, sind die Reeder ebenso sparsam mit ihrem Gewissen. Auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kiribati\" target=\"_blank\">den Kiribati-Inseln, einem kleinen K\u00f6nigreich<\/a> am \u00c4quator und so sandig, dass dort nicht mal Viehhaltung m\u00f6glich ist, wurde eine Seefahrtsschule er\u00f6ffnet. Nach dem Lernen einiger Grundregeln der Seemannschaft sowie etwas Fachenglisch bekommen die Neu-Matrosen dann Neunmonats-Vertr\u00e4ge. Sie verdienen 300 US-Dollar, das macht bei acht Stunden Arbeit am Tag einen Stundenlohn von 1,25 Euro. Um einen Anschluss-Kontrakt zu erhalten, m\u00fcssen die Ausgebeuteten ein Arbeitszeugnis des letzten Kapit\u00e4ns vorlegen. Eine Silbe der Kritik \u2013 und das war es mit der Anstellung. Was f\u00fcr eine subtile Art der Sklavenhaltung.<\/em>&#8221;<\/p>\n<p>Der &#8220;Deutsche Nautische Verein&#8221; (DNV) ist das Thema in seiner vorletzten\u00a0 <a href=\"http:\/\/dnvev.de\/newsletter\/position_03-2014.pdf\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Quartalszeitschrift &#8220;Position&#8221; <\/a>an erster Stelle angegangen. Lesen Sie auch den zweiten Artikel und vergleichen Sie die Zahlenangaben von Herrn Uwe Beckmeyer zu &#8220;<em>unter 200<\/em>&#8221; deutschen Schiffen mit den <a href=\"http:\/\/www.reederverband.de\/daten-und-fakten\/ueber-grosse-schiffe.html\" target=\"_blank\">Ausf\u00fchrungen des Verbandes Deutscher Reeder<\/a>, einem korporativen Mitglied des DNV: &#8220;<em>Die deutsche Handelsflotte\u00a0steht mit rund 3.300 Schiffen auf Platz 4 der gr\u00f6\u00dften Schifffahrtsnationen. Mit etwa 1.500\u00a0Containerschiffen belegt Deutschland den Spitzenplatz. Darunter sind mehr als 100 Mega-Containerschiffe ab 8.000 TEU.<\/em>&#8221;<\/p>\n<p>Wir schlie\u00dfen mit den Worten von Herrn Schwandt: &#8220;<em>Nun fordern die deutschen Reeder, Meister im Sparen von Steuern und clevere Sammler von Subventionen, mehr Schutz vor den Piraten am Horn von Afrika. Durch die Bundesmarine, also durch unsere Steuergelder. Vielleicht lassen sich einige Reeder gefangen nehmen, um das Problem zu l\u00f6sen. Nach wenigen Wochen haben sie die Piraten einfach wegrationalisiert.<\/em>&#8221; und w\u00fcrden uns so gern w\u00fcnschen, endlich mal etwas von der &#8220;<a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?page_id=1438\" target=\"_blank\">Jobmaschine Hamburger Hafen<\/a>&#8221; berichten zu d\u00fcrfen. Und, wenn es nicht der Hamburger Hafen ist, dann bitte von einem anderen deutschen Hafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben Kontakt mit einer Familie, die sich den Lebensunterhalt durch die nautische T\u00e4tigkeit eines ihrer Mitglieder verdienen will. Dieses Familienmitglied sucht nun schon seit Monaten nach einem entsprechenden Arbeitsplatz auf einem Schiff. Arbeitspl\u00e4tze gibt es reichlich, auch auf Schiffen deutscher Reeder, die nicht unerhebliche Subventionen aus dem deutschen Steuers\u00e4ckel eingestrichen haben. 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