{"id":8033,"date":"2015-11-05T20:50:47","date_gmt":"2015-11-05T19:50:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=8033"},"modified":"2016-06-12T18:42:46","modified_gmt":"2016-06-12T17:42:46","slug":"reedergier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=8033","title":{"rendered":"Reedergier?"},"content":{"rendered":"<p>Eine <a href=\"http:\/\/www.reederverband.de\/uploads\/media\/2015_10_21_VDR-Pressemeldung_-_Bundesregierung_muss_angekuendigte_Ma%C3%9Fnahmen_f%C3%BCr_die_Seeschifffahrt_zuegig_in_Kraft_setzen.pdf\" target=\"_blank\">Pressemitteilung des Verbands Deutscher Reeder (VDR) vom 21.10.2015<\/a> l\u00e4sst uns wieder einmal an den Kompetenzen deutscher Unternehmensleitungen zweifeln. Unter der \u00dcberschrift &#8220;<em>Bundesregierung muss angek\u00fcndigte Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Seeschifffahrt z\u00fcgig in Kraft setzen &#8211; <strong>Schiffe aus dem Portfolio der HSH Nordbank am Standort Deutschland halten<\/strong><\/em>&#8221; d\u00fcrfen wir eine einzigartige Logik kennenlernen.<\/p>\n<p>Nach dem Jubel der Reedereien \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=7995\" target=\"_blank\">auf der Maritimen Hafenkonferenz zugesagten Subventionen<\/a> aus den Steuer- und Sozialabgaben von Seefahrern folgt noch eine weitere Subvention zu Lasten der seefahrende Arbeitnehmern: &#8220;<em>Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt k\u00fcndigte au\u00dferdem an, die Schiffsbesetzungsverordnung zeitgem\u00e4\u00df anzupassen. Der VDR hatte vorgeschlagen, <span style=\"text-decoration: underline;\">zuk\u00fcnftig weniger europ\u00e4ische Seeleute<\/span> an Bord von Schiffen unter deutscher Flagge vorzuschreiben. Dies w\u00fcrde Reedereien von einem zus\u00e4tzlichen Kostenblock entlasten und helfen, dass <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">mehr einheimische Seeleute<\/span><\/strong> besch\u00e4ftigt werden k\u00f6nnten.<\/em>&#8221; Wer versteht denn so etwas?<\/p>\n<p>Zur Erinnerung:\u00a0 Zurzeit wird \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/schbesv_2013\/\" target=\"_blank\">Schiffsbesetzungsverordnung (SchBesV)<\/a> geregelt, <a href=\"http:\/\/www.deutsche-flagge.de\/de\/besatzung\/schiffsbesetzung\/nationalitaetenvorgaben\/nationalitaetenvorgaben#Nationalit%C3%A4tenvorgaben\" target=\"_blank\">wieviele europ\u00e4ische Seeleute<\/a> in Ab\u00e4ngigkeit zur Schiffsgr\u00f6\u00dfe auf einem Sch<a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Europa1.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4192\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Europa1.jpg\" alt=\"Europa1\" width=\"179\" height=\"171\" \/><\/a>iff unter deutscher Flagge besch\u00e4ftigt sein m\u00fcssen. F\u00fcr einen Dampfer mit 8.000 BRZ (z.B. ein &#8220;kleiner&#8221; Feeder mit ca. 130 m L\u00e4nge und ca. 750 TEU Kapazit\u00e4t) sind dieses zwei Offiziere sowie zwei weitere Seeleute. Von Letzteren ist bestenfalls der Schiffsmechaniker &#8220;inl\u00e4ndisch&#8221;, das hei\u00dft nach einer deutschen Berufsbildungsverordnung ausgebildet (es kann also auch ein EU-B\u00fcrger sein, der in Deutschland seine Ausbildung gemacht hat). Diese Regelung gilt auch f\u00fcr alle gr\u00f6\u00dferen Handelsschiffe. Und dann gibt es noch Ausnahmen bzw. Besonderheiten, z.B. kann der Schiffsmechaniker auch Azubi im 2. oder 3. Ausbildungsjahr sein. Oder ein Schiffsmechaniker kann durch ein sog. wachbef\u00e4higtes Besatzungsmitglied aus der EU ersetzt werden, bis 3.000 BRZ einfach so, \u00fcber 3.000 BRZ, sofern &#8220;<em>der vorgeschriebene Schiffsmechaniker auf dem inl\u00e4ndischen seem\u00e4nnischen Arbeitsmarkt nachweislich nicht verf\u00fcgbar ist<\/em>&#8220;. Je kleiner die Schiffe werden, desto weniger europ\u00e4isches Personal muss eingesetzt werden. Unter 500 BRZ muss es nur noch der Kapit\u00e4n sein. Aufgemerkt, f\u00fcr das Fahren der deutschen Flagge reicht es, wenn Menschen mit einem europ\u00e4ischen Ausweis die Anforderungen erf\u00fcllen, es m\u00fcssen keine deutschen Kapit\u00e4ne, Offiziere oder Seeleute sein.<\/p>\n<p>Nun soll die Pflichtanzahl europ\u00e4ischer Seeleute auf Handelsschiffen ab 8.000 BRZ von vier auf zwei reduziert werden, damit dann laut VDR <span style=\"text-decoration: underline;\">mehr einheimische Seeleute<\/span> besch\u00e4ftigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bislang h\u00e4tten wir auf einem deutschen Schiff als &#8220;einheimisch&#8221; einen Seefahrer mit einer deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft und deutscher Steuer- und Sozialversicherungspflicht bezeichnet. Wie oben aufgef\u00fchrt, muss das nicht so sein &#8211; und ist es auch nicht! Dem Jubelsturm der VDR-Reeder und den Besch\u00e4ftigungsstatistiken f\u00fcr deutsche Seefahrer ist zu entnehmen, dass in der Vergangenheit auf deutschen Schiffen m\u00f6glichst nur noch nichtdeutsche EU-Europ\u00e4er (also Nicht-Einheimische) besch\u00e4ftigt worden sind &#8211;\u00a0 wenn das Schiff vom Reeder nicht ohnehin schon ausgeflaggt worden ist.<\/p>\n<p>Wenn eh schon keine einheimische Seefahrer an Bord waren, erweist die Bundesregierung mit dem Dobrindt-Zugest\u00e4ndnis den bislang auf deutschen Schiffen an Bord verbliebenen Seeleuten einen wahren B\u00e4rendienst. Gemeint sind nicht die gro\u00dfen Schiffe, sondern die &#8220;Kleinen&#8221; aus der Bundesflotte der GDWS oder aus der Forschung, die F\u00e4hren zu den deutschen Inseln (z.B. WDR in Nordfriesland), die wenigen verbliebenen sonstigen Schiffe. Bei den F\u00e4hren bekommen wir schon das erste Husten: Zypern tragen die &#8220;Halunder Jet&#8221;, die Katamaranf\u00e4hre von Hamburg nach Helgoland, oder die Sylt-F\u00e4hre &#8220;Sylt Express&#8221; von R\u00f6m\u00f6 nach List.<\/p>\n<p>Wird denn die Reduzierung der Pflichtanzahl wenigstens damit gekoppelt werden, dass die verbleibenden Pflichtseeleute &#8220;einheimische&#8221; Deutsche sein m\u00fcssen? Nein nat\u00fcrlich nicht. Es wird sich durch die Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung f\u00fcr die gro\u00dfe Schifffahrt nichts \u00e4ndern. \u00c4ndern werden sich die Bedingungen f\u00fcr die &#8220;kleine&#8221; K\u00fcstenschifffahrt &#8211; dort m\u00fcsste dann ja auch eine Reduzierung der Anzahl &#8220;Pflicht-Europ\u00e4er&#8221; vorgenommen werden. Vermutlich werden da zur Zeit mehr deutsche Seeleute besch\u00e4ftigt, als auf &#8220;gro\u00dfen&#8221; Schiffen. Wenn hier nun auch die Vorgaben gelockert werden, vermuten wir, dass noch mehr Seeleute mit deutscher Staatsangeh\u00f6rigkeit ihren Job verlieren.<\/p>\n<p>Aber es kommt noch dicker. Am 20.10.2015 wurde bekannt, dass die HSH-Nordbank zu Lasten der Mehrheitseigner Hamburg und Schleswig-Holstein umgestaltet werden muss. Dazu geh\u00f6rt, dass faule Kredite aus der Schiffsfinanzierung an die L\u00e4nder \u00fcbertragen werden. <a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/20151105-hsh-nordbank-milliardenrisiko-deutlich-hher-ndr.de-nachrichten-schleswig-holstein.pdf\" target=\"_blank\">Hamburg und Schleswig-Holstein m\u00fcssen den &#8220;Finanzschrott&#8221; mit Kosten von bis zu 15 Milliarden Euro<\/a> erwerben: <a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/HSH-Nordbank1.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-3961\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/HSH-Nordbank1-300x167.jpg\" alt=\"HSH-Nordbank\" width=\"287\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/HSH-Nordbank1-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/HSH-Nordbank1.jpg 784w\" sizes=\"(max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><\/a>Massen an Schiffen, die keine Rendite zur Abzahlung der Kredite erwirtschaften. Nun fordert Herr Alfred Hartmann, Pr\u00e4sident des VDR: &#8220;<em>Wir m\u00fcssen gemeinsam in den n\u00e4chsten Jahren alles tun, um so viele Schiffe wie m\u00f6glich am Standort zu halten.<\/em>&#8221; Argumentiert wird, wie immer, mit den nicht nachgewiesenen m\u00f6glichen Gefahren f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze (siehe u.a. oben) und der vermeintlich enormen Wertsch\u00f6pfung der maritimen Wirtschaft (<a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=7995\" target=\"_blank\">siehe hierzu &#8220;Maritimer Unsinn&#8221;<\/a>).<\/p>\n<p>In einem Artikel des Hamburger Hafenblatts wird diese Argumentation von dem Direktor des Instituts f\u00fcr Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen, Burkhard Lemper, detaillierter beschrieben. &#8220;<em>In Deutschland fehlen derzeit Finanzierungsm\u00f6glichkeiten. deshalb ist die Wahrscheinlichkeit gro\u00df, dass ein Teil der Tonnage ins Ausland geht. Mit den Schiffen geht auch deren Management. Letztlich kommt es zum Personalabbau an Land<\/em>&#8220;. Und schon wieder fragen wir uns, welche Logik diese Schlussfolgerung voran treibt. Ist es nur noch die Logik, dass das Institut ISL um Herrn Lemper dem Hamburger Senat bereits seit Jahrzehnten die Umschlagszahlen im Hamburger Hafen sch\u00f6n prognostiziert?<\/p>\n<p>Nachweislich <a href=\"https:\/\/www.hapag-lloyd.de\/de\/products\/fleet\/charter-vessels.html#tabnav\" target=\"_blank\">agieren alle Reedereien<\/a> auch <a href=\"http:\/\/www.hamburgsud.com\/group\/de\/corporatehome\/aboutus\/factsfigures\/factsandfigures.html\" target=\"_blank\">mit Charterschiffen<\/a>, ohne ihren Stammsitz an den Heimathafen dieser Schiffe zu verlegen. <a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/BWVI-Beh\u00f6rde.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7202 alignleft\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/BWVI-Beh\u00f6rde.jpg\" alt=\"BWVI-Beh\u00f6rde\" width=\"318\" height=\"107\" \/><\/a>Auch die Bef\u00fcrchtung, dass die Schiffe zu preiswert verkauft werden und somit &#8220;Billigtonnage&#8221; auf den Markt gebracht wird, k\u00f6nnte verhindert werden, wenn die Mitglieder des VDR diese Schiffe zu einem angemessenen Preis kaufen. Dann h\u00e4tten beide Seiten etwas davon: der Haushalt der Bundesl\u00e4nder wird entlastet und Dumpingpreise werden verhindert.\u00a0 Unser &#8220;<a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?page_id=476\" target=\"_blank\">Willkommen<\/a>&#8221; l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen!<\/p>\n<p>Welche Subventionen sollen die Bundesl\u00e4nder bzw. der Bund noch \u00fcbernehmen. Hamburg wird sich m\u00e4chtig an der HSH-Nordbank und dem Hapag-Lloyd B\u00f6rsengang verschlucken. Die HHLA wird weniger Dividende aussch\u00fctten. Die HPA braucht Staatsknete, um die Hafenaufgaben bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Also, was wollen die Reeder noch?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Pressemitteilung des Verbands Deutscher Reeder (VDR) vom 21.10.2015 l\u00e4sst uns wieder einmal an den Kompetenzen deutscher Unternehmensleitungen zweifeln. 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