{"id":9505,"date":"2016-02-14T20:24:52","date_gmt":"2016-02-14T19:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=9505"},"modified":"2016-07-19T08:43:58","modified_gmt":"2016-07-19T07:43:58","slug":"nachlese-havarie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=9505","title":{"rendered":"Nachlese Havarie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?attachment_id=9515\" target=\"_blank\" rel=\"attachment wp-att-9515\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-9515\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/CSCL-Indian-Ocean-Heck.jpg\" alt=\"CSCL-Indian-Ocean-Heck\" width=\"170\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/CSCL-Indian-Ocean-Heck.jpg 614w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/CSCL-Indian-Ocean-Heck-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><\/a>\u00a0 Nachdem das Havariekommando mit seiner <a href=\"http:\/\/www.havariekommando.de\/PDF\/Pressemitteilung\/CSCL_Indian_Ocean_-_4.2.2016\/Pressemitteilungen_Nr.1-7.pdf\">letzten Pressemitteilung den Einsatz<\/a> (ganz am Ende) um die CSCL Indian Ocean beendet und das <a href=\"http:\/\/www.tageblatt.de\/lokales\/aktuelle-meldungen_artikel,-CSCL-Indian-Ocean-ist-auf-dem-Weg-nach-Rotterdam-_arid,1194861.html\">Schiff mittlerweile den Hamburger Hafen wieder verlassen hat<\/a>, bleiben viele der <a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=9416\">bislang gestellten Fragen<\/a> unbeantwortet.<\/p>\n<p>Im \u00f6ffentlichen Umgang mit der Havarie werden Meinungen ge\u00e4u\u00dfert, die uns Menschen zeigen sollen, dass hier alles vollkommen im Griff gewesen ist.<\/p>\n<p>&#8220;<em>Technik kann immer und \u00fcberall versagen, meint der \u00c4ltermann der Elblotsen, Ben Lodemann. Entscheidend sei, wie man darauf reagiert, wie das Krisenmanagement klappt.<\/em>&#8221; ist in einem <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/Elbvertiefung-hin-oder-her-Fehler-passieren,elbvertiefung580.html\">NDR-Kommentar<\/a> zu lesen, der dazu noch Gefahrlosigkeit suggeriert: &#8220;<em>Auch ohne funktionierende Ruderanlage bekamen die Lotsen die &#8220;Indian Ocean&#8221; an einer Stelle zum Stehen, an der sie keinen Schaden nahm &#8211; und keinen Schaden f\u00fcr Umwelt und den Schiffsverkehr anrichten konnte.<\/em>&#8221; Ach ja?<\/p>\n<ul>\n<li>In der f\u00fcnften Pressemitteilung vom Havariekommando ist zu lesen, dass zum Zeitpunkt der Bergung noch rund 732 Tonnen Schmier- und Treibstoffe an Bord des Havaristen verblieben sind. Obwohl das Abpumpen der umweltgef\u00e4hrdenden Stoffe unmittelbar nach dem Auflaufen begonnen wurde, ist es anscheinend nicht gelungen, diese binnen vier Tagen \u2013 bis auf einen Rest f\u00fcr das Betreiben von Stromerzeugern &#8211; vollst\u00e4ndig abzupumpen. Warum nicht?<\/li>\n<li>Stattdessen wurde das Ballastwasser entfernt. Wenn, was wir uns gut vorstellen k\u00f6nnen, noch rund 700 Tonnen Trimgewicht f\u00fcr das Schiffes erforderlich gewesen sein sollen, warum wurde dann nicht das \u201eharmlose\u201c Ballastwasser genutzt sondern umweltgef\u00e4hrdende Schmier- und Treibstoffe?<\/li>\n<li>Das von den Beh\u00f6rden nicht beeinflussbare Wetter schaffte mit einem kurzen Sturm ein kleines Zeitfenster von wenigen Nachtstunden, das zeitgleich mit einer alle 14 Tage stattfindenden Springtide zusammenfiel. Das soll kein Gl\u00fcck gewesen sein?<\/li>\n<li>Havariespezialisten und zugkr\u00e4ftige Schlepper standen in ganz Deutschland nicht zur Verf\u00fcgung &#8211; sie mussten erst aus Niederlanden herbeigeordert werden. Nicht mal ein Kran zum Abbergen von Containern geschweige denn ein geeignetes L\u00f6schboot zur etwaigen Br\u00e4ndbek\u00e4mpfung standen bereit. Diese Notfallausr\u00fcstung soll ausreichend gewesen sein?<\/li>\n<li>&#8220;65.000 Kubikmeter Erdboden&#8221; mussten laut siebter Pressemitteilung des Havariekommandos &#8220;abgetragen&#8221; werden, um dem Havaristen den Weg ins tiefe Fahrwasser zu erm\u00f6glichen. Das sind 21 Schwimmbecken in olympischer Gr\u00f6\u00dfe, d.h. 50 m Bahnl\u00e4nge bei 25 m Breite und 2,5 Tiefe, die in nicht mal 5 Tagen gegraben wurden. Auch diese Bagger mussten erst aus den Niederlanden herbeigeschafft werden. Ein ganz normaler Vorgang?<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr uns sind das alles keine Indikatoren f\u00fcr ein wohlorganisiertes Notfallmanagement, das aus einem Fundus von vorbereiteten Notfallpl\u00e4nen ausw\u00e4hlen und dabei unverz\u00fcglich ausreichendes technisches Ger\u00e4t herbeischaffen kann. Ganz im Gegenteil &#8211; in Deutschland sind &#8220;Gl\u00fcck&#8221; und &#8220;Schwein&#8221; die wesentlichen Zutaten des Krisenmanagements.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?attachment_id=9516\" target=\"_blank\" rel=\"attachment wp-att-9516\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9516 alignleft\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/CSCL-Indian-Ocean-CTH.jpg\" alt=\"CSCL-Indian-Ocean-CTH\" width=\"250\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/CSCL-Indian-Ocean-CTH.jpg 768w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/CSCL-Indian-Ocean-CTH-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Eine \u00f6ffentliche Diskussion der Havarie, wie bei vergleichbaren Ungl\u00fccken beobachtet, mit Forderungen z.B. \u00fcber Versch\u00e4rfungen von Sicherungssystemen bei gro\u00dfen Schiffen oder Kritik am Notfallmanagement findet nicht statt. Erinnerungen an die &#8220;Pallas&#8221;, die im Oktober 1998 vor Amrum strandete und die <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/notschlepper-fuer-havarierte-schiffe.697.de.html?dram:article_id=71713\" target=\"_blank\">daraufhin einsetzende Notfall-Schlepper-Diskussion<\/a> werden wach. Das <a href=\"http:\/\/www.wsd-nord.wsv.de\/Schiff-WaStr\/Schifffahrt\/Notschlepper_und_Havariebekaempfung\/Notschleppkonzept.html\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Notschleppkonzept<\/a> aus 2001 und die Fortentwicklung durch das Havariekommando &#8220;<a href=\"https:\/\/www.havariekommando.de\/aktuelles\/anlagen\/Anforderungen_Notschlepper_Nord_Ostsee.pdf\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Anpassung der Leistungskriterien an Notschleppkapzit\u00e4ten in Nord- und Ostsee &#8230;<\/a>&#8221; vom Mai 2006 zeigen auf, dass dieses Konzept nicht f\u00fcr die Seehafenzufahrten konzipiert worden ist, sondern nur f\u00fcr die hohe See, um Schiffe bei Starkwind und mehr mit Schleppern in den Wind zu drehen, auf der Stelle zu halten und kontrolliert zu verdriften. Von Fl\u00fcssen mit engem Seeraum ist da keine Rede.<\/p>\n<p>In Erinnerung des 19.000 TEU-Havaristen &#8220;CSCL Indian Ocean&#8221; lesen wir in der o.a. Fortentwicklung auf Seite 15 etwas von Bemessungsfahrzeugen als Havaristen (9.200 TEU Containerschiff, 13.000 TEU Containerschiff Nordsee) und definierten Schleppern (175 t Pfahlzug und 110 t Pfahlzug). In Simulation wurde ermittelt:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;<em>Bei Windst\u00e4rke Bft. 9 , in B\u00f6en 11 reicht die Schleppkraft eines 175 t-Pfahlzug- Schleppers in der Nordsee aus, um Containerschiffe der simulierten Gr\u00f6\u00dfe in den Wind zu drehen, auf der Stelle zu halten und kontrolliert zu verdriften.<\/em><\/li>\n<li><em>Schlepper mit 110 t Pfahlzug verf\u00fcgen bei einem 13.000 TEU \u2013 Schiff unter den genannten Wetterbedingungen nicht \u00fcber eine ausreichende Kraft zum \u201ein-den- Wind- Drehen\u201c und \u201eHalten\u201c.<\/em><\/li>\n<li><em>Auch bei einem 9200 TEU \u2013 Schiffes ist ein Schlepper mit 110 t Pfahlzug am Rand seiner Leistungsf\u00e4higkeit. Der Havarist kann in den Wind und Strom gedreht und damit die Achterausdrift des Havaristen entscheidend verlangsamt werden.<\/em>&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn diese Simulationsergebnisse f\u00fcr die hohe See und dann bei wesentlich kleineren Bemessungsschiffen gelten, fragen wir uns, wie man dort einen 19.000 TEU-Riesen in Schach halten will und insbesondere, was auf den engen Fl\u00fcssen mit den anf\u00e4nglich zum Einsatz gebrachten &#8220;Schlepperzwergen&#8221; von bis zu 90 t Pfahlzug \u00fcberhaupt noch gerichtet werden k\u00f6nnte. Darauf gibt es keine Antworten.<\/p>\n<p>Das Statement des o.a. Elblotsen <em>&#8220;<\/em><em>Technik kann immer und \u00fcberall versagen. Entscheidend sei, wie man darauf reagiert, wie das Krisenmanagement klappt.<\/em>&#8221; enth\u00e4lt mit Kenntnis des Schleppkonzeptes eine gewaltige Portion Zynismus und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung. Wenn dieser Elblotse sich dann auch noch in seiner Funktion als \u00c4ltermann \u00e4u\u00dfert, ist Angst angesagt. Angst vor zuk\u00fcnftigen Havarien, wo Gl\u00fcck nicht die f\u00fchrende Rolle spielt.<\/p>\n<p>Sprung: Beim aktuellen Zugungl\u00fcck in Bayern nehmen wir gegen\u00fcber der Havarielethargie an der Elbe <a href=\"http:\/\/www.br.de\/nachrichten\/oberbayern\/inhalt\/bad-aibling-zugunglueck-ursache-suche-100.html\">aktive Aufr\u00e4umstimmung<\/a> wahr. Da werden nach R\u00e4umung des havarierten Zuges und Wiederherstellung der Strecke zeitnahe Simulationen des Unfallherganges angek\u00fcndigt. &#8220;<em>Derzeit wird der dritte Fahrtenschreiber, auch Blackbox genannt, ausgewertet. Er war am Freitag zwar besch\u00e4digt geborgen worden, die Daten k\u00f6nnen aber ausgelesen werden.<\/em>&#8221; &#8211; haben Sie etwas von einer Blackbox auf dem havarierten Riesencontainerschiff &#8220;CSCL Indian Ocean&#8221; gelesen?<\/p>\n<p>Bayerische &#8220;<em>Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen davon, dass es noch Wochen dauern k\u00f6nne, bis Klarheit \u00fcber die Unfallursache herrsche. Eine 50-k\u00f6pfige Sonderkommission arbeitet an dem Fall. Das Ungl\u00fcck soll in der kommenden Woche auch Thema im Verkehrsausschuss des Bayerischen Landtags sein.<\/em>&#8221; Wir k\u00f6nnen vermutlich froh sein, wenn \u00fcberhaupt eine Sonderkommission gegr\u00fcndet und diese \u00fcber eine Handvoll Mitarbeiter verf\u00fcgen wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Erstellung des Untersuchungsberichtes zum Brand der mit atomarer Ladung beladenen &#8220;<a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?p=7956\">Atlantic Cartier<\/a>&#8221; im Hamburger Hafen, unweit des mit Zehntausenden von Menschen besuchten Hauptveranstaltungsortes des\u00a0 Kirchentages, wurden nicht Wochen ben\u00f6tigt, sondern rund 2,5 Jahre. Eine Thematisierung in der B\u00fcrgerschaft oder im Bundestag?<\/p>\n<p>Damit \u00fcberhaupt etwas passiert, muss die Havarie der &#8220;CSCL Indian Ocean&#8221; zun\u00e4chst erst einmal als relevanter Untersuchungsvorgang gem\u00e4\u00df dem <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/sug\/index.html\">SUG (Seesicherheits-Untersuchungs-Gesetz)<\/a> definiert werden. Unterschieden wird dabei nach den Begriffsdefinitionen gem\u00e4\u00df \u00a71a SUG zwischen einem <em>Seeunfall<\/em>, einem <em>sehr schwerem Seeunfall<\/em> und einem<em> schwerem Seeunfall<\/em>. Nach \u00a711 SUG entscheidet der Direktor der Bundesstelle f\u00fcr Seeunfalluntersuchung \u00fcber die Einstufung: Mit der jeweiligen Einstufung wird festgelegt, welche Untersuchungen in welcher Form durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auf den <a href=\"http:\/\/www.bsu-bund.de\/DE\/Aktuelles\/laufendeUntersuchungen\/laufendeUntersuchungen_node.html\">Internetseiten der Bundesstelle f\u00fcr Seeunfalluntersuchung<\/a> <a href=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?attachment_id=9517\" target=\"_blank\" rel=\"attachment wp-att-9517\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-9517\" src=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Kotug2.jpg\" alt=\"Kotug2\" width=\"250\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Kotug2.jpg 1152w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Kotug2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Kotug2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Kotug2-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>ist die Havarie der &#8220;CSCL Indian Ocean&#8221; noch nicht angekommen. So wird es in den n\u00e4chsten Tagen, Wochen oder Jahren spannend, ob wir von den Ereignissen des Februars 2016 an der Unterelbe vor Gr\u00fcnendeich \u00fcberhaupt noch mal etwas h\u00f6ren werden und vielleicht ein &#8220;Konsequenzchen&#8221; gezogen wird.<\/p>\n<p>Polizei und Staatsanwaltschaft haben jedenfalls bei derartigen Schiffsungl\u00fccken nichts zu sagen &#8211; das ist doch &#8220;maritimes Schweigen&#8221; oder &#8220;Havarieschlepper im Nebel&#8221; par excellence, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Nachdem das Havariekommando mit seiner letzten Pressemitteilung den Einsatz (ganz am Ende) um die CSCL Indian Ocean beendet und das Schiff mittlerweile den Hamburger Hafen wieder verlassen hat, bleiben viele der bislang gestellten Fragen unbeantwortet. 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