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Baggernotstand

Das Abkommen mit Schleswig-Holstein FrancescoDiGiorgio4zur Verklappung von giftigem Hafenschlick bei Tonne E3 vor Helgoland ist dank des Umfallens des grünen Umweltminister von Schleswig-Holstein, Herrn Robert Habeck, für Hamburg seit Anfang April unter Dach und Fach.

Diese Verklappungsmöglichkeit für giftige Hafensedimente durfte seit 2005 nur für eng begrenzte Baggerungen in den Fahrwassern der Elbe genutzt werden und zwar für Schlick aus der Norder- und Süderelbe und dem Köhlbrand. Vorbereitend für die Verklappungen in der Nordsee wurden durch die Hafenverwaltung HPA bislang regelmäßig Kernproben gezogen, welche auf deren Internetseite vorab veröffentlicht wurden. Ohne eine derartige Beprobung durfte keine Verklappung vor Helgoland durchgeführt werden.

Dieses scheint sich nun geändert zu FrancescoDiGiorgio1haben: Der Saugbagger “Francesco di Giorgio” fährt seit einigen Tagen im Parkhafen – dem Herzstück des Hamburger Containerhafens – ein Dreieck und saugt Millionen an Kubikmetern von giftigen Sedimenten aus dem Hafen. Das Baggergut wird zur Tonne E3 vor Helgoland gefahren und dort in die Nordsee verklappt. Den blau markierten Kurs des Baggers vom Hamburger Parkhafen bei Waltershof in die Nordsee nach Helgoland können Sie auf der folgenden Karte nachvollziehen:

FrancescoDiGiorgio2Verklappungen werden jetzt offenbar ohne Veröffentlichung der bislang mit Schleswig-Holstein vereinbarten Analysen der Probenkerne durchgeführt.

Dass dieser Schlick nun nicht mehr nur aus Fahrwassern der Elbe, sondern auch aus Hafenbecken kommt, dessen Verklappungen bis April 2016 aufgrund der Giftigkeit vertraglich ausgeschlossen waren, ist anscheinend ebenfalls ganz normal.

Wenn so etwas passiert, also alle Sicherheits- und Umweltregularien außer Kraft gesetzt werden, muss der Baggernotstand im Hafen ausgebrochen sein. Dieser Notstand muss, da es ja den sakrosankten Containerhafen um Waltershof betrifft, mehr als dramatisch sein.

Die Berichterstattung im Hamburger Hafenblatt zum Hilferuf der Firma Arnold Rittscher ist sicherlich richtig. Aber bis Hilferufe eines derartigen Unternehmens, das vom Senat gegenüber HHLA und Eurogate sicherlich als “Hafenklitsche” eingeschätzt wird, bei unserer Hafenbehörde HPA ankommen sind, müssen angesichts des o.a. Notstandes vermutlich Jahre vergehen. Und der Travehafen soll doch zudem für das Phantasieprojekt CTS Steinwerder zugschüttet werden.

So zieht die “Francesco di Giorgio” ohne Öffentlichkeit still, still, still weiter ihre Kreise und verbringt das Gift in die Nordsee.

  • Unsere für die Baggerei zuständige Hafenbehörde HPA glaubt immer noch daran, dass eine Elbvertiefung die Schlickprobleme im Hafen lösen wird,
  • Umweltminister Habeck glaubt, dass die giftigen Sedimente vor Helgoland ruhen und viel Gutes tun werden,
  • unser Senat glaubt sogar, dass mit der Elbvertiefung die chinesische Volkswirtschaft wieder saniert und der Containerumschlag dramatisch ansteigen wird…

… still, still, still, weil der Senat schlafen will – bald ist ja Weihnachten – und was glauben Sie?!

Schlickverdoppelung!

Man mag es nicht mehr glauben. Unscheinbar finden Helgoland1wir heute bei Hafen-Hamburg in den Neuigkeiten ein kurze Mitteilung der HPA  von 11:47 Uhr. Der Titel “Wegen trockenem Sommer: HPA bringt mehr Sedimente zur Tonne E3” lässt schon schlimmes ahnen.

Und so lesen wir, dass statt 1 Mio. m³ giftigen Hafenschlicks nun die doppelte Menge, d.h. bis zu 2 Mio. m³, bei Helgoland verklappt werden sollen. Das Land Schleswig-Holstein habe bereits sein Einverständnis erteilt. Holterdipolter, ratzfatz, so mal eben, ohne Regeln. Ist der Katastrophenfall eingetreten?

  • Die gültigen Baggerregeln, namentlich die GÜBAK (Gemeinsame Übergangsbestimmungen zum Umgang mit Baggergut in den Küstengewässern) schreiben den Behörden vor, dass für eine derartige Umlagerungsbaggerei repräsentative Beprobungen durchzuführen sind. Beprobungen sind nicht über Nacht zu nehmen, zu analysieren und auszuwerten. Das dauert mehrere Wochen. Wo sind die Parameter dieser Beprobung und die Ergebnisse veröffentlicht? Bei der HPA jedenfalls nicht.
  • Wird jetzt vielleicht sogar der nochmals giftigere Schlick aus den Hamburger Hafenbecken, der bislang über METHA behandelt wurde, vor Helgoland verklappt? Bislang war dieses im Einvernehmen mit Schleswig-Holstein ausgeschlossen – nur Schlick aus den Fahrwassern durfte nach Tonne E3 verbracht werden.
  • Wieso hat der grüne Umweltminister von Schleswig-Holstein, Herr Robert Habeck, erneut einer derartigen Verklappung anscheinend über Nacht zugestimmt? Für seine eigenen Landeshäfen nimmt er in Anspruch, dass Baggerungen mindestens drei Monate vorher zur Genehmigung angekündigt werden. Warum schweigt er sich weiterhin aus? Ist das die neue grüne Interpretation einer ökologisch nachhaltigen Politik?
  • Ach ja, in der HPA-Meldung wird wieder das Dialogforum Tideelbe angeführt, damit bei dieser unglaublichen Verklappungsaktion erneut die Worte “ökologisch nachhaltig” missbraucht werden können. Wie müssen sich die Mitglieder dieses Dialogforums  bloß vorgeführt fühlen, wenn Sie diese Nachricht durch die kalte Küche erreicht?

Zusammenfassend kann man feststellen, dass Hamburg den Katastrophenfall in Sachen Hafenschlick ausgerufen haben muss. Die vom Senat und HPA angeführte Ursache des trockenen Sommers ist dabei ein wirkliches Ammenmärchen – wer soll das denn noch glauben? Sollen die Wassertiefen im Hamburger Hafen nur noch bei Jahrhunderthochwassern an der Mittel- und Oberelbe zu halten sein? So ein Unsinn!

Es ist an der Zeit, dass der Senat die Karten offen auf den Tisch legt. Der sogenannte morphologische Nachlauf, d.h. die Folgen der letzten Elbvertiefung aus 1999 scheinen mit ihren Sedimentationsfolgen jetzt richtig zur Wirkung zu kommen. Die Anwohner der Unterelbe, z.B. der Hafen von Friedrichskoog, haben die Folgen schon früher zu spüren bekommen – nun sind diese auch endlich beim Verursacher in Hamburg angekommen.